RHEINBLICK - 3 Fragen 3 Antworten - Jürgen Schönfeldt

1. Viele Vermieter*innen halten sich nicht an den Bonner Mietspiegel. Was kann man dagegen tun?

Bei dem Bonner Mietspiegel handelt es sich um einen qualifizierten Mietspiegel. Das heißt, nach dem Gesetz muss also der Vermieter sich auf diesen Mietspiegel berufen. Wird dies nicht gemacht, sollte der Mieter zunächst einmal selbst anhand des Rechenprogramms Mietspiegel der Stadt Bonn ausrechnen, wie hoch die Miete ist. Stellen die Mieter fest, dass die Forderung über dem Mietspiegel liegt, sollten sie den Vermieter unter Beifügung des Mietspiegels darauf hinweisen und die Mieterhöhung zurückweisen.


 
2. Die 30%-Quote ist in aller Munde. Wie ist Ihre Position zum Für und Wider?

Die Wohnungsbindung geht kontinuierlich zurück, das heißt, dass es immer weniger Sozíalwohnungen und damit billigen Wohnraum gibt. Damit verbunden sind Verdrängungsprozesse, da Mieter und Mieterinnen mit geringem, mittlerweile aber auch schon mit normalem Einkommen kaum noch die hohen Mieten zahlen können. Die Folge hiervon ist eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Die 30%-Quote für sozíalen Wohnungsbau bei der Baulandvergabe soll dafür sorgen, dass nicht nur teure Wohnungen für 10 - 12 Euro pro Quadratmeter gebaut werden, sonder auch Wohnraum, den sich jeder leisten kann. Dabei sei noch darauf hingewiesen, dass  in Bonn ca. 50 % der Bevölkerung einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hat, auch z.B. Krankenschwestern, Angestellte und Handwerker.

 

3. Mietpreise sind auch Marktpreise, die in einem Stadtteil höher, im anderen niedriger sind. Was bedeutet das für das soziale Gefüge in unserer Stadt?

Die Spaltung der Gesellschaft ist auch in Bonn angekommen. Mittlerweile wird man schon danach eingeschätzt, aus welchem Stadtviertel man kommt. Die Lebenswelten laufen zunehmend auseinander. Damit auch das Verständnis füreinander. Die Stadt teilt sich immer mehr in die "Beschützten" und die Benachteiligten auf. Und dieser Trend wird immer stärker und stellt einen erheblichen sozialen Sprengstoff dar.

 

Biografische Angaben:

Jürgen Schönfeldt ist Geschäftstellenleiter des Deutschen Mieterbundes Bonn/Rhein-Sieg/Ahr e.V. in Siegburg, wohnt aber in Bonn. Er startete vor ca. 15 Jahren als ehrenamtlicher Helfer von Bernhard "Felix" von Grünberg bei der Mieter- und Sozialberatung der SPD Fraktion im Rat der Stadt Bonn und hat sich dort seine ersten mieterrechtlichen "Sporen" verdient. Seit 25 Jahren arbeitet er beim Mieterbund und das nach wie vor mit voller Überzeugung.
     

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